46. Ordensfest

Das Ordensfest der Freunde des Pfeddersheimer Weins im Kontext zu „Martin Luther und der Wein“.

Das kulturelle Leben der Stadt Worms ist in diesem Jahr geprägt von diversen Veranstaltungen und Ausstellungen im Rahmen des Reichstagsjubiläums 2021, an dem sich Luthers Widerrufsverweigerung zum 500. Mal jährt.

Abseits von diesem epochalen Ereignis hat sich der Orden der Freunde des
Pfeddersheimer Weins einem weiteren Thema um Martin Luther angenommen.

Gemäß seiner Satzung, das Wissen seiner Mitglieder um die Weinkultur, den Wein und den Weinanbau durch örtliche und überörtliche Veranstaltungen zu erweitern, hat es sich der Weinorden zur Aufgabe gemacht, im Rahmen seines 46. Ordensfestes mit fachkundiger Kompetenz die Hintergründe rund um das Leben des Reformators bezüglich seiner Vorliebe für Wein zu beleuchten. Welche Weine hat er getrunken, welche Weinsorten wurden in seiner Zeit angebaut?

Mit einem herzlichen „Vivat Paternam – Vivat Vinum“, dem traditionellen Gruß des „Ordens der Freunde des Pfeddersheimer Weins“, konnte Vorsitzender Werner Gradinger fast 80 Ordensmitglieder und Gäste, das Pfeddersheimer Traditionspaar Miriam Stahlheber und Felix Fernow, Ehrenmitglied Felix Zillien, die ehemaligen Vorsitzenden Hermann Merck und Günter Bleise, sowie den Vorsitzenden desGesangvereins 1845, Bernhard Steinke, beim 46. Ordensfest im Sängerheim begrüßen. Ein herzliches Willkommen erging auch an die Referenten des heutigen
Abends, den Präses der Landessynode der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Buchautor und Lutherbeauftragter der Stadt Worms, Dr. Ulrich Oelschläger, sowie Vorstandsmitglied und Sommelier Thomas Peters.
Wie schon eingangs erwähnt bezog sich das Thema dieses Ordensfestes auf
historische Weine aus der Zeit des Reformators, die Thomas Peters nach den Grußworten des Pfeddersheimer Traditionspaares mit seinem fundierten Fachwissen gekonnt vorstellte. Außer Luthers Lieblingswein, den Malvasier, der zur Begrüßung auch als Secco gereicht wurde, konnten die Teilnehmer noch weitere 7 historische Weine, darunter zum Beispiel Gänsfüßer, Trollinger, Weißer Traminer, Grüner Adelfränkisch und Weißer Heunisch degustieren. So erfuhren die interessierten Teilnehmer, dass der Weiße Heunisch schon im 16.Jhd. angebaut wurde und schon im 5.Jhd. von den Hunnen zu uns gebracht wurde. Auch der Trollinger, dessen
Namen vom Tirolinger (Tirol) abstammt, ist eine uralte edle Rebsorte, vor allem aus dem Weinbaugebiet Württemberg, dessen Anbau mittlerweile aber rückläufig ist. Die Ursorte grüner Adelfränkisch, die schon vor 5.000 Jahren kultiviert wurde, war seit dem Mittelalter in der Mark Brandenburg dokumentiert und galt bis 2007 als ausgestorben. Leider können in diesem Bericht die Beiträge der Referenten nur stark gekürzt wiedergegeben werden.

Die Ausführungen von Dr. Ulrich Oelschläger erstreckten sich auf drei Ebenen:
Luther, der Wein und die Bibel– Wein als sakramentale Materie– Luthers Wein und sein Konsum.
Der Referent beeindruckte die Zuhörer auch mit zahlreichen Anekdoten und Zitaten des Reformators, wie zum Beispiel „Wie gefällt euch der Pfeddersheimer“? Mit diesen Worten schenkte Martin Luther 1540 den Gästen an seinem Tisch Pfeddersheimer Wein ein. Und er fuhr fort: „Unser Herr Gott will der Welt einen guten Trunk zu Letzt einschenken“. Auch Luthers Spruch „Der Wein ist gesegnet und hat das Zeugnis der Schrift, das Bier dagegen ist menschliche Tradition“ ist bezeichnend für Luthers Affinität zum Wein. Bier war für ihn nur ein alltägliches Getränk, der Wein aber dagegen etwas Besonderes. Oder der Ausspruch „Für die Toten Wein, für die Lebenden Wasser: das ist eine Vorschrift für Fische“. Der Begriff „Wein“ kommt in der Bibel ca. 140-mal vor. Der Wein ist für Luther gesegnet, gehört zu den guten Gaben der Schöpfung Gottes, die des Menschen Herz erfreuen. Dr. Oelschläger informierte das Publikum auch über das Leben des Reformators im Mansfelder Land und vor allem in Wittenberg, wo er den größten Teil seines Lebens verbracht hatte. Er berichtete von Weinkäufen Luthers, die er im Übrigen selten bezahlt zu haben scheint, aber auch von Weingeschenken. In der 1502 gegründeten Wittenberger Universität studierten Männer aus ganz Europa. Luther und Melanchton als Professoren besaßen eine gewaltige Anziehungskraft. Es kamen Studenten von überall her, aus Dänemark, Schweden Finnland, Kroatien und Mähren, aber eben auch überall aus Deutschland, einschließlich Worms. So wurde die kleine Stadt Wittenberg zu einem Ort nahezu internationaler Begegnungen.

Nach großem Applaus dankte Werner Gradinger beiden Referenten und
verabschiedete diese mit einem Weinpräsent, um dann die Gäste auf anstehende Ehrungen und Aufnahmen von neuen Ordensmitgliedern vorzubereiten. In der Zwischenzeit stärkten sich die Gäste mit einer deftigen Mahlzeit, nebst einem 2020er trockenen Malvasier Tischwein. Als kulinarische Überraschung wurden mit Bitterschokolade überzogene, in Pflaumenmus und Zwetschgenwasser marinierte Walnüsse serviert, verkostet mit einem halbtrockenen Trollinger. Es handelt sich hierbei um eine Nachempfindung der berühmten Luthernuss.

In der nun folgenden Zeremonie der Neuaufnahmen stellten sich die beiden Anwärter Dr. Patrick Deck und Ulrich Granseyer sehr ausführlich persönlich vor, um dann gemeinsam das Ordensgelöbnis zu sprechen. Nach Überreichung der Aufnahmeurkunde, dem Ordenssymbol – einen Weinbecher an einem grün-weißroten Band und dem obligatorischen Schlag mit dem Wingertsknorzen durch den Vorsitzenden Werner Gradinger, sind nun beide offiziell in den Weinorden aufgenommen.

Mit der Überreichung der Jubiläumsurkunde und einem Weinpräsent wurden folgende Ordensmitglieder geehrt: Karl-Heinz Hoffmann und Felix Zillien für je 45-jährige Mitgliedschaft, Günter Bleise und Dieter Kirchner für je 30.-jährige Mitgliedschaft. Leider konnte Ordensmitglied Wilfried Beck die Urkunde für seine 25-jährige Mitgliedschaft im Weinorden nicht persönlich in Empfang nehmen. Im Namen aller Jubilare dankte Felix Zillien mit bewegten Worten für seine Ehrung, erinnerte an die Anfänge des Weinordens im Jahre 1974. Ebenso erinnerte er an die geistigen Väter und Gründer des Ordens, die allesamt nicht mehr unter uns weilen.

Am Schluss der Veranstaltung konnte sich Werner Gradinger nur noch bei allen Gästen, den beiden Referenten, allen Helfern und Protagonisten, den
Verantwortlichen des Gesangvereins 1845 e.V., vor allem aber bei Conny Franz mit ihrem Küchenteam und Vera Berdes für die Lutherspezifische und sehr aufwendige Dekoration bedanken.

Peter Behringer